Christianes wilder Waldgarten

Es ist ein ganz besonderer Platz, den die Besitzerin im oberösterreichischen Aschach an der Donau ihr Eigen nennt. Die Häuser im Ort schmiegen sich entlang des Flusses eng aneinander und formen teils langgestreckte Grundstücke, das manchmal kaum breiter als die Häuser sind. Christianes Haus ist eines davon und dahinter wartet ein mit viel Fingerspitzengefühl verwildertes Kleinod auf den Besucher.

Wir treffen uns an einem Freitagnachmittag im Mai, der laut Wetterbericht Sonne versprochen hat, letztendlich aber auch mit Regen nicht geizte. Das heutige Wetter und die üppige sattgrüne Vegetation dieses durchwachsenen Frühjahrs 2021 sind aber durchaus passend, unterstreichen sie doch den Charakter dieses verwunschen anmutenden Waldgartens auf gelungene Weise.

Die richtige Balance

„Insgesamt ist es mir ein Anliegen, dass ich im Garten vieles wachsen lasse, so wie es kommt.“, erzählt mir Christiane. „Und dass es eine gute Mischung ist aus Wildpflanzen von meinen Wanderungen und Kulturpflanzen aus Gärtnereien. Ich bin sehr zurückhaltend beim Lenken der Entwicklung. Die Natürlichkeit ist mir sehr wichtig. Und was mir auch wichtig ist, ist die Beobachtung und Wahrnehmung dieser Entwicklung. Das ist total schön und das ist die Freude, die ich hier in meinem Garten erlebe.“

Romantisch verwildert und doch strukturiert

Drei aufeinanderfolgende Zonen hat Christiane auf dem 400 m2 großen Grundstück angelegt. Sie nennt sie Schmuckgarten, Nutzgarten und Naturgarten. Im vorderen Bereich, dem Schmuckgarten, bringt der sonnengelbe Ahorn einen lichten Charakter in den vom Haus beschatteten Teil. Umrankt von zahlreichen Akeleien, Farnen und geschickt gesetzten Pflanzengesellschaften tun sich hier dem Betrachter wunderschöne erste Blicke in den Garten auf. Eine Treppe aus alten Eisenbahnschwellen, liebevoll verziert mit kleinen Steinchen, führt auf die nächste Ebene des Gartens. „La Luna“, die zu Stein erstarrte und mondblasse Badende, blickt neckisch zur Seite während sie den Weg zum mittleren Bereich, dem Nutzgarten, freigibt.

Wir halten noch kurz beim Lieblingsplatz der Gärtnerin. Zwischen dem alten Gartenhaus und dem Wohnhaus steht hier gerne der Liegestuhl unterm Judasbaum. Er reckt seine stattliche Krone gleich hinter dem goldenen Ahorn in den Himmel und schützt vor dem einen oder anderen interessierten Blick aus der Nachbarschaft. Hier lässt es sich gut verweilen, ein Buch lesen oder einfach die Natur genießen.

Aus Steinen, die im Weg liegen, kann man Schönes bauen

Vorbei am alten Gartenhaus und einem weiteren hübschen Ahornbaum geht es über ein paar Stufen zum Nutzgarten. So wie auch im restlichen Garten hat die Besitzerin hier Trockenmauern angelegt und damit das gesamte Grundstück terrassiert. „Als wir vor 20 Jahren das Haus kauften, war hier viel Gerümpel und im Garten waren eine Menge Schutt und Steine vergraben. Wir haben alles ausgehoben, Erde aufgeschüttet und mehrere Ebenen angelegt. Die vergrabenen Steine waren groß genug, dass wir diese zu Trockenmauern aufschlichten konnten. Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte hat sich der Garten nun zu dem verwachsen was er heute ist.“

Gemüse und Waldpflanzen in harmonischer Nachbarschaft

Im Nutzgarten sprießen im von Moos überwachsenen Gemüsebeet erste Gemüse und Kräuter und bilden mit der Akeleiwiese auf der gegenüberliegenden Seite einen malerischen Kontrast. Wie es sich für einen Waldgarten gehört, gibt es unter den zahlreichen Bäumen auch Bärlauch und wohlriechenden Waldmeister. Da bekommt man gleich Lust auf ein würziges Bärlauch-Pesto und erfrischende Waldmeister-Limonade. Auch im Nutzgarten treffe ich auf prächtige Farne, die den Weg säumen. Gemeinsam mit den Akeleien sind sie das gestalterische Hauptelement dieses Gartens. Das bringt auch Christianes naturverbundenen und pragmatischen Ansatz zum Ausdruck: „Beide Pflanzen sind schattenverträglich und schneckenresistent. Und beide mag ich sehr, sehr gern!“ Vorbei an zarten Vergissmeinicht- und Gänseblümchenwiesen geht es durch den Rosenbogen in den hintersten Teil, den Naturgarten. Hier darf alles sein wie es will. Und hier erwartet mich ein eindrucksvolles Finale: Ein imposanter, intensivgrüner Farnteppich wogt im Schatten einer Haselnuss leicht im Wind. Ein leichtes Rauschen ist zu hören, während der Himmel die nächsten Regentropfen zur Erde schickt. Die Zeit steht still in dem Moment. Welch ein wunderschöner Platz.

„Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, dem Betrübten jede Blume ein Unkraut.“

(Finnisches Sprichwort)

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