Ein großes Stück vom Gärtnerglück

Wer den prächtigen Hanggarten von Patrizia und Gerald Haslinger das erste Mal sieht, mag kaum glauben, dass hier vor wenigen Jahren nur Wiese, ein alter Baumbestand und ein Wochenendhäuschen standen. Seit die beiden passionierten Gärtner in Offenhausen, im oberösterreichischen Voralpenland im Jahr 2008 ihr Haus gebaut haben, ist sukzessive ein wunderschönes Gartenparadies entstanden. Gleich neben einem stattlichen Olivenbaum, blüht hier nun im Sommer die Palmlilie, während man von den farblich abgestimmten Gartenstühlen zum Naturteich blickt. Bei meinem Besuch im Mai ist die Pergola gerade über und über mit den blauen Rispen des Blauregens bedeckt und eine lauschige Sitzgelegenheit lädt zum Rasten ein. Doch dazu komme ich nicht, zu viele Garten-Highlights gibt es hier zu entdecken, sodass der von der Besitzerin angebotene Kaffee vorerst warten muss.

Der Wein als Verbindung von Gestern und Heute

„Unsere Adresse ‚Weinberg 17‘ kommt nicht von irgendwo“, erzählt mir Patrizia.“ Vor der kleinen Eiszeit ist hier bereits Wein angebaut worden. Und meinen Mann hat das Thema so sehr interessiert, dass er sich eingelesen hat und heute haben wir zwei Weingärten – einen für Weißwein und einen für Rotwein.“ Dass es hier eine gute Verbindung zum Thema Wein gibt, ist bereits beim Eingang zum mehr als 5000m2 großen Hanggarten zu erkennen. Hier begrüßen drei stattliche Rebstöcke den Besucher und bilden mit ihren knorrigen Ästen einen spannenden Kontrast zu dem sonst filigranen Pflanzen des Eingangsbereichs.

Wo Märchenhaftes und Bodenständiges aufeinander treffen

„Das hier ist „Klein Sissinghurst, unser weißer Vorgarten“ sagt Patrizia mit einem Zwinkern in Anspielung auf den weißen Garten im berühmten Sissinghurst Castle Garden in England. Im Frühjahr blühen hier Schneeglöckchen, Camassien, Stauden und andere Blütenpflanzen. Alles blüht natürlich in Weiß und wird von Gräsern und Dekoelementen geschickt in Szene gesetzt. Vom Vorgarten spaziere ich mit der Besitzerin weiter zum Feengarten. „Hinter Hannah‘s Spielplatz, aus dem sie mit ihren mittlerweile 13 Jahren endgültig herausgewachsen ist, steht die alte Birke und bildet ein schattiges, verwunschenes Garteneck. In lauen Juninächten tanzen hier sogar hin und wieder die Glühwürmchen und das hat uns zum Namen „Feengarten“ inspiriert.“ Im April blühen hier wilde Tulpen zwischen Heuchera und kleinen Narzissen und es ist gut vorstellbar, dass sich an diesem Ort Feen und andere Fabelwesen gar vorzüglich zu Hause fühlen. Wir kommen vom Feengarten direkt zum Küchengarten. Hier wird deutlich, dass Patrizia und Gerald nicht nur auf die Gestaltung ihres Gartens großen Wert legen, sondern ihnen auch ökologisches Gärtnern ein Anliegen ist. Am alten Gartenzaun ist die Plakette „Natur im Garten“ angebracht. Eine Auszeichnung, die nach strengen Kriterien vom Land OÖ für umweltbewusst gepflegte und naturnahe Gärten vergeben wird. „Der Küchengarten heißt bei uns auch „Upcycling-Garden“. Hier haben wir alles verwertet, was beim Bau der zahlreichen Trockenmauern übriggeblieben ist. Mit den bröseligen Steinbruchresten haben wir den Boden bedeckt und die Paletten, die von vielen Steinlieferungen übriggeblieben sind, haben wir zu einem Hochbeet zusammengebaut. Mein Papa hat uns damals dabei geholfen, er ist ein alter Fuchs, wenn es um praktische Lösungen geht.“.

Mediterraner Flair mit Blick in die Berge

Wir flanieren durch den Lavendelhain durch den verwachsenen Rosenbogen und stehen vor einem der absoluten Highlights des Gartens, dem alten Olivenbaum am Schwimmteich. Er ist der stattliche Wächter des mediterran angelegten Toskanagartens im westlichen Teil des Grundstücks. Von hier haben wir einen fantastischen Blick auf das Alpenvorland und seinen markantesten Berg, den Traunstein. Neben zahlreichen Stauden, Palmlilien und Magnolien, blüht hier im Sommer die Albizia, auch Seiden- oder Schlafbaum genannt. Mit ihren pinkfarbenen, pinselförmigen Blüten und zarten Blättern, die sie abends wie zum Schlaf zusammenklappt, hat sie schon so manchem Gärtner den Kopf verdreht. Und ja, bei mir steht seit heuer auch eine Albizia im Garten, aber das nur als Randnotiz. Vorbei an dem 2020 während des Lockdowns entstandenen Biotop mit kleinem Bachlauf, der den nicht ganz ernstgemeinten Namen „Coronafälle“ erhalten hat, spaziere ich mit Patrizia in den östlichen Teil hinüber. Zu unserer Linken befinden sich nun zahlreiche Trockenmauern – eine schöner bepflanzt als die andere. Narzissenraritäten und das Tränende Herz blühen hier zwischen der Walzenwolfsmilch im Frühling als Erste. Später im Jahr stehen hier die Pfingstrosen in voller Blüte, bevor fast zeitgleich die Kletterrosen ihren fulminanten Auftritt haben. Zu unserer Rechten sehen wir wieder den lauschigen Sitzplatz unter der romantisch verwachsenen Pergola, der immer noch aufs Kaffeepäuschen wartet.

Von einem Highlight zum nächsten

Beim grünen Pavillon sind wir nun im „Sunken Garden“ angekommen. Ein romantischer und verwunschener Fleck, an dem sich das Seifenkraut zart über die sonnigen Trockenmauern legt, sobald sich Schneerosen- und Akeleiblüte verabschiedet haben. Später im Jahr verkündet hier ein Band rosafarbener Hortensien den nahenden Sommer. Hübsch bepflanzte Töpfe schmücken den Pavillon, hinter dem eine mächtige Ramblerrose über den Apfelbaum rankt. Eine imposante Dornröschenhecke, die den Zutritt zum Sunken Garden noch ein bisschen verwunschener wirken lässt. „Der Pavillon ist ziemlich alt, den gab es schon, als hier nur das Wochenendhaus stand und das Grundstück noch meinen Schwiegereltern gehörte. Wir haben ihn revitalisiert, in meiner Lieblingsfarbe gestrichen und neu gedeckt. Jetzt ist er einer meiner Lieblingsplätze hier.“. Wir gehen durch den uralten Baumbestand, der im Mai in einem blauen Teppich aus Hasenglöckchen steht, hinunter zum südlichen Gartenbereich. Hier ebnet sich der Hang etwas ein und eine weitläufige Streuobstwiese, die seit Jahren von Patrizia und Gerald zu einer Magerwiese umgestaltet wird, tut sich dem Betrachter auf. Hunderte Narzissen, Camassien, Zittergräser und Karthäusernelken sind hier zuhause. Gemeinsam mit Quendel, wildem Thymian und Margeriten bilden sie unter den Obstbäumen einen lange blühenden, herrlichen Blumenteppich. Hier im Süden liegt auch der Rotweingarten, den Gerald vor vier Jahren mit viel Geduld und unzähligen Arbeitsstunden angelegt hat. Die Rebenzeilen haben natürlich alle einen hübschen Rosenstock gepflanzt bekommen und Anfang Juni wogen sich zwischen den Zeilen der tiefblaue Wiesensalbei und weiße Margeriten im Wind. Es ist wirklich ein bezaubernder Anblick, der sich hier dem Betrachter auftut. Spätestens bei diesem hübschen Platz frage ich mich, ob es in diesem Garten auch irgendwo keine Highlights gibt? Ich komme seit ich hier bin aus dem Staunen nicht mehr heraus und mir gehen im Gespräch mit Patrizia schon langsam die Adjektive aus um meine Begeisterung auszudrücken. Aber es dauert nicht lange und wir stehen beim nächsten besonderen Platz. Ein mächtiger Kirschbaum thront im Südwesten des Gartens und seine dicken Äste reichen weit ausladend bis hinunter zum weißen Hochzeitspavillon. Hier blühen Ginsterbüsche und Wildrosen in verschiedensten Farben und an dieser Stelle begegnen wir auch dem Traunstein wieder. Der Berg lässt sich vom hübschen, halbrunden Bänkchen, das sich um den dicken Baumstamm schmiegt, vorzüglich betrachten. Dutzende Taglilien runden das schattige Plätzchen entlang einer halbrunden Trockenmauer im wahrsten Sinne des Wortes ab. Im Frühsommer ragen hier zusätzlich stattliche Zierlauchkugeln aus dem dichten Blattgrün der Lilien auf. Vorbei am Klapotetz, der im Südwesten den Weißweingarten schmückt, kommen Patrizia und ich langsam wieder zum Toskanagarten zurück. Kurzweilige zwei Stunden hat unser Rundgang gedauert, und jetzt sage ich nicht Nein zum angebotenen Kaffee. Gerald gesellt sich zu uns und wir plaudern in der warmen Sonne, während mein Blick immer wieder auf den Naturteich und in die vielfältige Fülle des Gartens schweift. Es ist deutlich spürbar, wie viel Liebe und Herzblut von den beiden in all den Jahren in ihren Garten geflossen sind. Bis in die verstecktesten Winkel findet der Besucher hübsche Pflanzen und liebevolle Details. Aber es ist mehr als das: Jede Pflanze, die hier in vollkommener Harmonie zu ihrer Umgebung wächst, ist ein lebendiger Beweis dafür, dass die beiden ihre Gartenleidenschaft zur Perfektion gebracht haben. Ein großes Stück vom Gärtnerglück eben.

„Wer mich ganz kennenlernen will, muss meinen Garten kennen. Denn mein Garten ist mein Herz.“

(Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau)

INFOBOX

  • Fotografiert in Offenhausen (Oberösterreich) an mehreren Terminen im Jahr 2021
  • Der Garten von Patrizia und Gerald Haslinger wurde bereits mehrfach prämiert. Aktuell haben sie die Auszeichnung „Gärten des Jahres 2021“ erhalten. Ein Wettbewerb, bei dem die schönsten von professionellen Gartengestaltern entworfenen Gärten der DACH-Region ausgezeichnet werden (mehr lesen).
  • Patrizia Haslinger gibt ihre Leidenschaft fürs Gärtnern gerne weiter. Als „Die Herzensgärtnerin®“ ist sie als Gartenplanerin & Gartencoach tätig. Hochzeitsplanung und Homestaging runden Ihr Angebot „rund um die schönsten Seiten des Lebens“ gekonnt ab. Mehr Informationen finden Sie auf der Website oder Sie schicken Ihre Anfrage direkt an Frau Haslinger. Alle aktuellen Termine für Gartenbesichtigungen finden Sie direkt hier.